Warum dein Körper dir jedes Wort glaubt
Willkommen im echten Leben – wo Körper, Verstand, Seele und Spirit selten einer Meinung sind. Und Gedanken auftauchen, die man sonst erst nach dem dritten Kaffee zulässt.
Stell dir vor, du sitzt abends auf dem Sofa, eigentlich solltest du entspannt sein, denn hier passiert dir nichts… es droht offentsichtlich keine Gefahr.
Der Tag ist längst vorbei, die Wohnung ist ruhig, dein Tee dampft vor sich hin und dann fällt dir dieser eine Satz wieder ein, den dein Chef heute Mittag so nebenbei fallen gelassen hat.
Zack, dein Herz klopft, dein Magen zieht sich zusammen und deine Hände werden feucht.
Als würde es genau jetzt noch einmal passieren.
Dabei sitzt du völlig sicher auf deiner Couch, mit einer Tasse in der Hand, und es ist absolut gar nichts los.
Letztes Mal haben wir geklärt, wer bei dir eigentlich die Leine hält.
Heute schauen wir uns an, warum dein Körper so wild an dieser Leine zerrt, obwohl weit und breit keine echte Gefahr in Sicht ist. Und ich verspreche dir, wenn du das einmal kapiert hast, guckst du deinen eigenen Kopf nie wieder mit denselben Augen an.
Dein Körper kennt den Unterschied nicht
Hier kommt die Sache, die fast keiner weiß, obwohl sie so ziemlich alles erklärt. Dein Körper kann nicht unterscheiden, ob etwas wirklich passiert oder ob du nur daran denkst.
Für deinen Körper ist beides dasselbe. Der fiese Satz vom Chef, den du zum fünften Mal in Gedanken durchkaust, löst exakt dieselbe Alarmkette aus wie der Chef, der leibhaftig vor dir steht.
Dein inneres Alarmsystem, ein kleiner, uralter Wächter tief in deinem Gehirn, macht keinen Unterschied zwischen „Gefahr ist wirklich da“ und „Gefahr wird gerade gedacht“.
Es drückt einfach auf den Knopf und los gehts
dein Herz schlägt schneller, du atmest flacher und deine Muskeln gehen sofort in Hab- Acht-Stellung
Deine Stresshormone bekommen von oberster Stelle das go.
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass du dieses Szenario kennst:
dein Handy brummt, du siehst den Namen deines Chefs auf dem Display, oder auch einen anderen Namen von dieser einen Person, die nicht unbedingt dein Lieblingsmensch ist und noch bevor du die Nachricht auch nur gelesen hast, rutscht dir das Herz in die Hose.
Vielleicht steht da was völlig Harmloses drin, ein Lob sogar, doch dein Körper hat längst reagiert, auf ein Wort, das du noch gar nicht kennst, einfach weil du etwas bestimmtes erwartest.
Allein weil du eine Erwartung hast, an das was kommen könnte, hat dein Gehirn und dein Körper in Sekundenschnelle reagiert.
Deswegen kannst du dich auch mit einem einzigen Gedanken in Rage bringen, oder in Angst oder auch nachts um drei in einen Katastrophenfilm, in dem du sämtliche Gespräche des nächsten Tages schon mal durchprobst, inklusive aller Antworten, die dir wieder nicht einfallen werden.
Und jetzt ein fettes Aber, denn das ist die schöne Seite derselben Medaille, es geht genauso gut auch andersherum.
Vielleicht erinnerst du dich, wie dir letztes Mal beim Gedanken an einen geliebten Menschen warm ums Herz wurde?
Selber Mechanismus, andere Richtung. Dein Körper glaubt dir eben jedes Wort und ich meine wirklich jedes.
Und jetzt stell dir mal vor, was das den ganzen Tag mit dir anstellt, wenn dein Quatschi im Dauerbetrieb Horrorgeschichten erzählt.
Nicht schön….oder?
Dein Gehirn ist schneller als du
Jetzt wird es kurz spannend, weil kluge Menschen das tatsächlich gemessen haben.
Ein Forscher namens Benjamin Libet hat schon vor Jahrzehnten Leuten beim Denken zugeschaut, mit Elektroden am Kopf, und er hat etwas Verrücktes gefunden.
Das Gehirn wird schon aktiv und bereitet eine Entscheidung vor, ein paar Hundert Millisekunden, bevor der Mensch überhaupt das Gefühl hat, sich gerade zu entscheiden. Spätere Forscher mit moderneren Geräten fanden solche Vorboten sogar Sekunden vorher.
Auf Deutsch: Dein Unbewusstes ist längst losgerannt, während dein bewusstes Ich noch die Schuhe sucht.
Die Wissenschaftler streiten bis heute darüber, wie genau man das deuten muss, und das ist auch gut so. Aber die Richtung ist ziemlich eindeutig. Ein riesiger Teil von dem, was in dir abläuft, läuft automatisch, blitzschnell und ohne dass du vorher gefragt wirst. Manche sagen, unser bewusster, mitdenkender Verstand macht davon gerade mal fünf Prozent aus
Die restlichen fünfundneunzig Prozent erledigt dein Gehirn im Hintergrund, nach alten, gelernten Mustern, ehe du auch nur „Moment mal“ denken kannst.
Und jetzt das Wichtige, damit du dich nicht gleich wieder ohnmächtig fühlst. Libet hat auch gezeigt, dass du am Ende trotzdem ein Veto einlegen kannst. Dein Gehirn läuft zwar los, aber du behältst das letzte Wort. Du kannst die Leine immer noch greifen. Nur eben nicht, indem du versuchst, schneller zu sein als dein eigenes Gehirn. Das klappt nämlich nicht, da bist du chancenlos.
Deshalb reicht „denk doch einfach positiv“ nicht
Und jetzt verstehst du vielleicht, warum dir dieser gut gemeinte Ratschlag immer so gegen den Strich geht.
Wenn dein Körper auf jeden Gedanken sofort mit voller Alarmchemie reagiert und wenn diese Reaktion schneller ist als dein bewusster Wille, dann ist „reiß dich zusammen und denk halt positiv“ ungefähr so wirkungsvoll, wie mit einem Teelöffel gegen einen Erdrutsch anzuschaufeln.
Du kämpfst mit deinen mickrigen fünf Prozent gegen ein System, das längst auf Autopilot läuft und dich gar nicht um Erlaubnis fragt.
Und das richtig Fiese daran ist: Meistens bekommst du diesen Rat auch noch von Menschen, die es wirklich gut mit dir meinen. Von der Freundin, die findet, du sollst nicht so viel grübeln. Von der Mama, die sagt, du machst dir einfach zu viele Gedanken. Sie haben ja nicht mal Unrecht und trotzdem hilft es kein bisschen, weil keiner von ihnen weiß, dass du gerade mit dem Teelöffel gegen einen ganzen Berg anschaufelst.
Das heißt aber nicht, dass du zu schwach oder zu undiszipliniert bist. Ganz im Gegenteil.
Es heißt nur, dass du an der falschen Stelle gräbst. Willenskraft ist ein wunderbares Werkzeug, aber sie werkelt im obersten Stockwerk. Und deine alten Muster, die den ganzen Alarm auslösen, die wohnen im Keller. Da kommst du mit noch so viel gutem Zureden von oben schlicht nicht hin.
Und genau hier kommt die Hypnose rein
Du ahnst wahrscheinlich schon, worauf ich hinauswill.
Die alten Programme, die deinen Körper Tag für Tag in Alarm versetzen, sitzen nicht da oben, wo du bewusst denkst und dir tapfere Vorsätze machst. Sie sitzen tiefer, im Unterbewusstsein. Und genau dahin kommst du im wachen Zustand mit dem besten Willen nicht, weil dein bewusster Verstand einfach zu langsam und zu klein für diesen Keller ist.
In der Hypnose drehen wir den Spieß um. Wir versuchen gar nicht erst, mit deinen fünf Prozent gegen den ganzen Rest anzurennen. Wir gehen einfach dahin, wo das Muster ursprünglich abgespeichert wurde, und schauen es uns an der Wurzel an. Ursachenorientiert. Nicht schnell ein bisschen Zuversicht drüberpinseln und hoffen, dass sie hält, sondern nachsehen, woher der Alarm eigentlich stammt, und ihn dort abstellen, wo er entsteht.
Deshalb kommen die Menschen zu mir nach Volkertshausen an den Bodensee. Nicht, weil ihr Körper kaputt wäre, sondern weil sie ihm endlich mal etwas anderes erzählen wollen als jeden Tag dieselbe alte Gefahrenmeldung.
Und die richtig gute Nachricht zum Schluss. Du bist dem allem nicht ausgeliefert.
Die kleinen Handgriffe von letztem Mal, das Stoppsignal und das freundliche Nachfragen, die wirken oben, im Alltag, und die sind schon eine Menge wert. Das Tiefere gehen wir gemeinsam an, in Ruhe, an der Wurzel. Aber schon ab heute darfst du ein bisschen genauer aufpassen, was du deinem Körper den lieben langen Tag so ins Ohr flüsterst. Er glaubt dir nämlich. Jedes einzelne Wort.
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Was passiert eigentlich, wenn dieser Alarm nie wieder ausgeht? Wenn dein System jahrelang auf Hochtouren läuft und einfach nicht mehr runterkommt? Beim nächsten Mal schauen wir uns an, wie aus Dauerstress ganz leise eine echte Erschöpfung wird, und warum dein Körper dir irgendwann die Rechnung präsentiert, ob es dir gerade passt oder nicht.
Deine Maren

