Kino im Kopf und warum eine Topfpflanze der beste Superheld der Welt sein kann

März 20, 2026

Willkommen im echten Leben, wo Körper, Verstand, Seele und Spirit selten einer Meinung sind.

Und Gedanken auftauchen, die man sonst erst nach dem dritten Kaffee zulässt.

Kinder tragen manchmal Dinge in sich, die viel zu schwer sind für so kleine Schultern. Wut, die immer wieder ausbricht und die sie selbst nicht verstehen. Traurigkeit, die einfach bleibt, egal wie viel Ablenkung es gibt. Traumatische Erlebnisse, die sich irgendwo festgesetzt haben, ohne dass das Kind überhaupt weiß, wie es das in Worte fassen soll. Menschen, die gegangen sind und eine Leere hinterlassen haben, die zu groß ist zum Begreifen.

All das bringt mir die Kinder in die Praxis. Und all das darf da sein. Jedes Gefühl, jede Schwere, jede Verwirrung. Denn genau da in diesem bunten, chaotischen, ehrlichen Durcheinander fangen wir an.

Ich sage dann meistens: „Wollen wir mal Kino im Kopf schauen?“

Und dann geht’s los.

Jedes Kind hat seinen eigenen Superhelden

Bevor wir in die innere Welt eintauchen, sucht sich das Kind seinen Superhelden aus. Und hier bitte nicht an Superman oder Batman denken.

Die Superhelden, die in meiner Praxis auftauchen, sind von einer ganz anderen Sorte.

Da war Troll Jonas. Da war die Schneekönigin. Da war ein glitzerndes Einhorn. Und dann, war da eine Topfpflanze….. und das meine ich komplett ernsthaft.

Ich muss ehrlich sagen: Als der Junge sagte, sein Superheld ist eine Topfpflanze, mussten wir beide erstmal lachen. Das war so witzig, vor allem, weil Sie scheinbar so gar nicht in die Welt gepasst hat.

Welcher Superheld sieht denn bitte aus wie eine Topfpflanze?! Wir haben kurz geschaut, was wir damit anfangen, denn normalerweise kommuniziere ich mit dem Superhelden über Ja und Nein. Aber eine Topfpflanze kann ja nicht sprechen, oder?

Doch. Kann sie. Die Blätter raschelten für Ja. Bei Nein absolute Stille. Wir haben sie einfach mitgenommen. Und diese Entscheidung war eine der besten, die wir hätten treffen können.

Überall dort, wo die Topfpflanze stand, war etwas Wichtiges

Wir sind in die innere Welt des Jungen gegangen und überall, wo er die Topfpflanze hinstellte, wartete etwas auf uns. Das Überbewusstsein hatte das alles schon vorbereitet. Wir mussten nur hinschauen.

An einer Stelle stand sie neben dem Schalter. Dem Ausschalter für die Wut. Der Schalter, den dieser Junge verzweifelt suchte, der, der ihn immer wieder ausrasten ließ, obwohl er das selbst gar nicht wollte. Der Schalter klemmte. Natürlich klemmte er. Aber neben ihm, dank der Topfpflanze, lag eine Bedienungsanleitung. Und Öl. Damit er den Schalter ölen konnte. Das Überbewusstsein hatte buchstäblich alles dorthin gelegt, was dieser Junge brauchte.

Und dann stand die Topfpflanze an einer anderen Stelle. Und dort lag ein Brief.

Der Brief, den ein Junge sich selbst geschrieben hat 

Ich werde diesen Moment nicht vergessen. Der Junge war noch in der Hypnose, tief in seiner inneren Welt und er hob diesen Brief auf. Als hätte er ihn wirklich in der Hand. Als wäre das Papier real.

Und er fing an, ihn mir vorzulesen.

In dem Brief stand, was er zu tun hat. Eine Art Anleitung von seinem eigenen Überbewusstsein an sich selbst. Klar, präzise, genau richtig. Und dann und das hat mich tief bewegt, stand da noch etwas. Dass er ganz toll ist. Und dass er die Wut jetzt gehen lassen darf.

Diesen Brief hat sich ein Kind, das sich selbst nicht versteht, selbst geschrieben. In seiner eigenen inneren Welt, mit seiner Topfpflanze als Wegweiser.

Das ist Kinderhypnose. Das ist das Simpson-Protokoll für Kids, Maren-Style.

Was in die innere Welt gehört und was nicht

Das ist nicht nur bei Wut so. Genau das passiert bei Traurigkeit. Bei traumatischen Erlebnissen. Bei dem Schmerz, jemanden verloren zu haben, und nicht zu wissen, wohin damit.

Wenn wir in die innere Welt gehen, schauen wir gemeinsam: Was stimmt hier nicht? Was gehört nicht hierher? Gibt es Monster? Krokodile im See? Verklebte Schalter? Schubladen, die sich nicht öffnen lassen? Oder was auch immer das Kind wahrnimmt, alles ist möglich.

Das Kind sieht es. Sofort und klar. Kinder sind so unglaublich ehrlich in ihrer inneren Wahrnehmung, da ist kein Filter, kein „darf ich das überhaupt denken?“, kein Zögern. Sie zeigen einfach hin:

Da. Das gehört nicht hierher.

Und dann darf das Kind selbst entscheiden, was damit passiert. Manche Dinge werden mit Dynamit gesprengt. Andere werden zum Mond geschossen. Traurigkeit, die eine Umarmung braucht, die bekommt eine Umarmung. Tiere, die sich in den falschen Bereich verirrt haben, bekommen einen neuen Platz, wo sie keinen Schaden anrichten. Kein Kind schmeisst einfach ein Tier raus. Es sorgt für es. Das sagt alles über die Herzen dieser kleinen Menschen.

Die Veränderung kommt immer aus dem Kind heraus. Ich begleite. Ich führe. Aber der Autor dieser Geschichte ist das Kind.

Mit dem Superhelden spricht man in Superheldensprache

Das klingt witzig und ist es auch ein bisschen. Ich spreche mit dem Superhelden auf eine Art, die das Kind nicht versteht. Superheldensprache eben. Aber der Superheld, ob Troll Jonas, glitzerndes Einhorn oder raschelnde Topfpflanze versteht es haargenau.

Und das Kind antwortet im Namen seines Superhelden. Ja oder Nein. Blätter rauschen oder Stille.

Wenn eine Tür klemmt und wir müssen dahinter schauen, der Superheld hat immer eine Lösung. Wenn etwas in der inneren Welt blockiert ist, der Superheld findet einen Weg. Wenn das Kind nicht weiß, warum es immer traurig ist, der Superheld weiß es.

Immer.

Was Kinder können, was wir Erwachsenen verlernt haben

Kinder haben noch keinen dicken Panzer aus Glaubenssätzen und „das darf ich doch nicht fühlen“ aufgebaut. Sie gehen in ihre innere Welt wie in ein Abenteuer. Sie vertrauen ihrem Superhelden. Sie sprengen, was gesprengt werden muss. Und sie lesen sich selbst Briefe vor, in denen steht, dass sie toll sind.

In den Sitzungen nach der ersten schauen wir dann weiter, gibt es noch etwas? Hat ein Erlebnis etwas Neues auftauchen lassen, was vorher versteckt war? Manchmal ja. Und dann gehen wir wieder hin. Das ist kein Zeichen, dass etwas nicht funktioniert hat. Das ist ein Zeichen, dass das System lebendig ist und beginnt etwas zu lösen und zu verändern.

In meiner Naturheilpraxis VitaFit in Volkertshausen am Bodensee begleite ich Kinder durch ihre innere Welt, mit Hypnose, mit dem Simpson-Protokoll und so gut wie immer mit dem Superhelden, den sie selbst mitbringen. Manchmal ist das Troll Jonas. Manchmal die Schneekönigin. Manchmal ist es eine Topfpflanze mit raschelnden Blättern.

Und manchmal liegt dort, wo die Topfpflanze steht, ein Brief.

Wer ist eigentlich dein Superheld oder der deines Kindes? Der, der schon weiß, was gebraucht wird, bevor der Kopf überhaupt anfängt zu denken? Ich bin gespannt, wer da wartet.

Deine Maren