Willkommen im echten Leben, wo Körper, Verstand, Seele und Spirit selten einer Meinung sind. Und Gedanken auftauchen, die man sonst erst nach dem dritten Kaffee zulässt.
Es ist 23:47 Uhr. Du liegst im Bett, todmüde, die Augen fallen dir fast von selbst zu und dann räuspert sich diese Stimme in deinem Kopf:
„Sag mal, hast du die Mail eigentlich beantwortet? Und war das vorhin echt der richtige Ton bei deiner Kollegin? Ach, und morgen früh, bloß nicht vergessen …“
Willkommen. Da ist er wieder. Dein persönlicher Dauerredner, der ausgerechnet dann Betriebsversammlung abhält, wenn du endlich mal deine Ruhe willst.
Und jetzt eine unbequeme Frage, gleich zum Aufwärmen: Wer führt hier eigentlich wen?
Hast du die Leine in der Hand oder hat dein Gehirn längst dich an der Leine, und du trottest brav hinterher, wohin auch immer es dich zerrt?
Darf ich vorstellen: dein Quatschi
Ich hab für dieses Stimmchen einen Namen. Ich nenne es liebevoll den Quatschi. Weil es den ganzen lieben langen Tag reinquatscht. Ungefragt. Es kommentiert, es warnt, es
rechnet Katastrophen hoch, die noch gar nicht passiert sind, und es hat zu wirklich allem eine Meinung.
Und tagsüber macht er munter weiter. Die Kollegin guckt kurz komisch und dein Kopf bastelt daraus einen abendfüllenden Psychothriller in drei Akten.
Der Chef schreibt „Können wir kurz reden?“ und du hast innerlich schon deinen Schreibtisch geräumt, bevor du überhaupt zurückgeschrieben hast.
Kommt dir das bekannt vor? Dann herzlich willkommen im Club. Damit bist du nämlich alles andere als allein.
Mein eigener Quatschi hat sogar einen richtigen Namen. Ich hab mein Gehirn Watson getauft. Wie der von Sherlock. Watson ist fleißig, meint es wirklich gut, spinnt sich aber gern die wildesten Theorien zusammen und wer entscheidet am Ende, was davon stimmt? Richtig. Nicht Watson. Ich.
Und jetzt kommst du. Gib deinem Quatschi einen Namen. Deinen eigenen.
Watson, Karl-Heinz, Bruni, die Labertasche, völlig wurscht, Hauptsache, es ist deiner und du musst ein bisschen grinsen, wenn du ihn aussprichst. Denn in dem Moment, in dem dein
Gehirn einen Namen hat, ist es nicht mehr „die Wahrheit“. Es ist ein Gegenüber. Und mit einem Gegenüber kann man reden.
Du kannst sagen: „Du. Sekunde mal. Was willst du mir hier eigentlich sagen?“
Probier’s aus. Beim ersten Mal fühlt es sich albern an. Beim zweiten Mal ziemlich befreiend.
Dein Gehirn ist nicht kaputt es ist überfürsorglich
Jetzt kommt der Teil, der wichtig ist, damit du dich nicht auch noch schlecht fühlst, nur weil dein Kopf so ein Schwätzer ist.
Dein Gehirn will dich nämlich gar nicht quälen. Es will dich beschützen. Das ist sein einziger Job, seit Urzeiten: Gefahren erkennen, dich am Leben halten. Nur hat es leider nie das Update bekommen, dass der Säbelzahntiger ausgestorben ist. Also macht es aus einer unbeantworteten WhatsApp eben mal eben eine existenzielle Bedrohung.
Und das Beste kommt noch: Die meisten dieser Alarmknöpfe hast du dir nicht ausgesucht. Die wurden installiert. Von klein auf. „Stell dich nicht so an.“ „Was sollen denn die Leute denken.“ „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Über Generationen weitergegeben, brav übernommen, nie hinterfragt. Wenn dein Quatschi dir heute also einredet, du müsstest für alle da sein und dürftest bloß keine Schwäche zeigen, dann ist das kein Charakterfehler von dir. Das ist ein altes Programm. Und ein Programm darf man updaten.
Aber jetzt kommt der Punkt, an dem’s richtig unfair wird:
Dein Gehirn ist schneller als du. Deutlich schneller. Diese alten Programme laufen nämlich nicht in deinem wachen Verstand ab, die feuern automatisch, in Sekundenbruchteilen, lange bevor du überhaupt merkst, dass du gerade reagierst.
Im Klartext:
Dein Gehirn führt dich Gassi, ehe du auch nur mitbekommen hast, dass ihr losgelaufen seid und der kleine, bewusste Teil von dir, der in Ruhe nachdenkt und entscheidet, das sind gerade mal fünf Prozent…..
der kommt oft erst hinterher angetrottet und wundert sich, wo er hier eigentlich gelandet ist.
Dein Körper glaubt jedes Wort
Und das ist kein netter Spruch fürs Kühlschrankmagnet, das kannst du sofort selbst testen.
Denk mal ganz kurz an etwas, das dir echt Sorgen macht. An dieses eine Problem, das dich gerade umtreibt, stell es dir mit all deinen Sinnen und deiner wunderbaren Fantasie vor. Merkst du’s?
Das Herz wird schneller, die Schultern gehen hoch, im Bauch zieht sich was zusammen, allein vom Gedanken. Du hast dich nicht bewegt, nichts ist passiert, es war nur ein Gedanke.
Und jetzt das Gegenteil:
Denk an einen Menschen, den du von Herzen liebst, deinen Partner, Kinder, deinen Herzensmenschen oder an deinen letzten richtig schönen Moment.
An etwas, auf das du dich freust wie früher als kleines Kind.
Zack… da ist es, der Mundwinkel geht hoch, im Brustkorb wird’s warm und weit und du spürst förmlich im Körper die Freude.
Selbes Spiel, andere Richtung.
Dein Körper unterscheidet nämlich nicht zwischen „echt passiert“ und „nur gedacht“. Für ihn ist ein Gedankenkarussell derselbe Alarm wie ein realer Notfall:
Herz schneller, Atem flacher, Anspannung rauf, die ganze Alarmchemie läuft. Ein einzelnes Mal? Kein Problem, dafür ist das System gebaut, aber wenn dein Quatschi das zum Dauerprogramm macht, Tag für Tag, Nacht für Nacht, dann bleibt dein System im Alarmzustand hängen. Und irgendwann meldet sich der Körper. Mit Schlaflosigkeit. Mit Verspannungen, die keine Massage löst. Mit einer Erschöpfung, für die kein Arzt eine Ursache findet.
Warum dein Körper deinen Gedanken so blind glaubt, was da drinnen eigentlich abläuft, und warum dein Gehirn oft schon reagiert hat, bevor du überhaupt weißt, dass du einen Gedanken hattest, das ist eine eigene Geschichte. Die erzähl ich dir beim nächsten Mal ganz in Ruhe. Für heute reicht: Dein Körper glaubt dir jedes Wort. Pass also ein bisschen auf, was du ihm den lieben langen Tag so erzählst.
Nimm die Leine in die Hand
So. Genug schlechte Nachrichten. Jetzt die gute und zwar direkt: Du kannst deinem Gehirn die Leine wieder abnehmen. Selbst. Ohne Studium, ohne jahrelange Übung. Ich zeig dir, wie.
Der erste Handgriff ist fast schon frech einfach. Wenn dein Quatschi loslegt und sich immer wilder reinsteigert, gibst du ihm ein klares Stoppsignal. Laut oder leise, ganz wie du magst: „Stopp. Jetzt bist du aber mal ruhig.“ Ja, das klingt banal. Und ja, es funktioniert, weil du in genau diesem Moment die Leine wieder anfasst.
Der zweite Handgriff ist mein Liebling für alle, die sich nachts im Kreis denken. Kennst du das, wenn derselbe Gedanke zum dreiundzwanzigsten Mal die Runde dreht, obwohl du ihn längst durchgekaut hast? Dann sag deinem Quatschi einfach: „Du, das haben wir doch schon geklärt. Was ist denn sonst noch?“ Und meistens kommt dann… nichts, weil er sich nur wichtigmachen wollte.
Und wenn er sich partout nicht abwimmeln lässt, dann red mit ihm. Ganz ruhig, fast wie mit einem aufgeregten Kind, das dich am Ärmel zerrt. Was willst du mir gerade sagen? Was steckt dahinter, willst du mich schützen, und wovor eigentlich? Ist das realistisch, was du da behauptest? Oder ist das aufgewärmter Blödsinn aus einer Zeit, die längst vorbei ist?
Allein dieses Nachfragen zieht dem Gedankenkarussell schon die Bremse an, weil du in dem Moment wieder vorne stehst. Nicht das Gehirn. Du.
Und wo die alten Programme wirklich sitzen
Jetzt bin ich ehrlich mit dir, sonst wäre ich eine schlechte Begleiterin:
Mit Stoppsignal, „haben wir schon geklärt“ und Nachfragen kommst du im Alltag erstaunlich weit. Das ist Gold wert, und ich meine das genau so.
Aber erinnerst du dich, dass dein Gehirn schneller ist als dein wacher Verstand? Genau da liegt der Haken. Die richtig alten, tief eingebrannten Programme, die aus der Kindheit, die längst automatisch feuern, bevor du überhaupt „Stopp“ denken kannst, die sitzen nicht im Kopf, mit dem du gerade mitliest.
Die sitzen tiefer und zwar in deinem Unterbewusstsein und da kommst du mit gutem Zureden allein oft nicht mehr ran, so sehr du dich auch anstrengst.
Dein bewusster Verstand ist für diesen Job schlicht zu langsam und zu klein.
Und genau da fängt meine Arbeit an. In der Hypnose ringen wir nicht mit dem wachen Kopf gegen deinen Quatschi, wir gehen dahin, wo das Programm ursprünglich abgespeichert wurde. Ursachenorientiert. Nicht „positiv denken drüberpinseln“, sondern nachschauen, woher das alte Muster wirklich kommt und es an der Wurzel aktualisieren. Deshalb kommen die Menschen zu mir nach Volkertshausen an den wunderschönen Bodensee, nicht, weil ihr Kopf zu laut ist, sondern weil sie endlich wieder selbst die Leine halten wollen.
Aber das ist Stoff für später. Für heute reicht der erste Schritt völlig.
Also, Hand aufs Herz: Wer hält bei dir gerade die Leine? Du oder dein Quatschi?
Und falls du gerade zugeben musstest, dass es nicht du bist: kein Drama. Du weißt jetzt, wo die Leine liegt. Heb sie auf.
Deine Maren

